Schloss Doberlug – eine Baustelle unter Hochdruck

Doberlug-Kirchhain, den 25.10.2012

Ende 2013 müssen die Räume für die erste Landesausstellung fertig sein

 

Doberlug-Kirchhain: Majestätisch wirkt das Schloss Doberlug auf den ersten Blick mit seiner strahlend weißen Fassade. 2014 wird dort die 1. Brandenburgische Landesausstellung gezeigt. Das macht Besucher neugierig auf das Schlossinnere. Das aber ist tabu, es ist derzeit alleiniger Aktionsradius für Bauarbeiter. Der Ausbau ist in vollem Gange und birgt manche Herausforderung.

Spricht man von künftiger Nutzung des Schlosses Doberlug, dann ist die Rede von mehr als 3000 Quadratmetern Nutzfläche in vier Flügeln. Als Zugpferd soll die 1. Brandenburgische Landesausstellung im Jahr 2014 dienen. Dafür und für die Zeit danach werden Ausstellungsräume hergerichtet. Auf 800 Quadratmetern in insgesamt 18 Räumen will die Kuratorin Anne-Katrin Ziesak über sechs Monate mit schillernden Leihgaben "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" erzählen. Mehrere Etagen im West- und Nordflügel sind dafür vorgesehen. Im Südflügel werden dem Renaissanceschloss selbst und der Stadtentwicklung zwei Räume gewidmet.

Doch momentan wirkt das Schloss im Innern eher wie ein Patient mit vielen offenen Wunden.

Bis 1989 war die Armee Herr im Schloss, hatte umgebaut und verändert. Jetzt die verborgenen Reize des einstigen Herrschaftssitzes wieder hervorzukitzeln, ist eine Mammutaufgabe, der sich die Stadt als Eigentümer mit Unterstützung des Landes und der Brandenburgischen Schlösser GmbH stellt.

Denkmalpfleger und Restauratoren forschten lange und intensiv nach Hinweisen unter historischen und neuzeitlichen Mauern, Decken und Böden. "Parallel dazu erstellen die Restauratoren ihre Dokumentation. Viele Bereiche sind jetzt aber freigegeben", berichtet Kerstin Stahl, Fachbereichsleiterin Bauen und Erhalten im Rathaus, dieser Tage vor Stadtverordneten. Dabei schwingt Erleichterung mit. Denn die Zeit drängt. In der Silvesternacht 2013 möchte die Kuratorin von Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) die Schlüssel, damit die Ausstellungsarchitekten mit ihrer Arbeit beginnen können. Die Verabredung steht, sagt auch der Bürgermeister. "Mit der Entscheidung zur Landesausstellung galt es, eine Schippe draufzulegen", erklärte er vor einigen Wochen vor der versammelten Presse in der Landeshauptstadt Potsdam. Vor wenigen Tagen kündigte er an: "Für eine straffere Organisation ist ein zusätzlicher Projektsteuerer bestellt." Mit viel Übersicht muss der dafür sorgen, dass ab sofort eins ins andere greift.

Sechs Leute beschäftigt die ortsansässige Firma Röder & Sohn Bau GmbH seit Juli mit Abbruch- und Maurerarbeiten im Schloss. Neue Wände und Decken werden eingezogen. Mit den beiden historischen Wendelsteinen ist keine moderne Erschließung möglich, sind sich Architekt und Denkmalpfleger einig. Es entstehen drei neue Treppenhäuser. Zwei Fahrstühle werden eingebaut.

Und doch gibt es immer noch Überraschungen. Im Westflügel bietet sich eine seltene Draufsicht auf ein Kellergewölbe. Die hat – bevor alles wieder verfüllt wird – die Bauhistoriker auf den Plan gerufen. Auch im Ostflügel sind die Bauarbeiter mit Gewölbe beschäftigt – eine Gewölbedecke anno 2012 wird gemauert. "Da haben wir erst mal wieder Bücher gewälzt, so was baut man ja nicht alle Tage", sagt Werner Röder am Rande einer Baubesprechung.

Der Haupt- und Finanzausschuss hat am Dienstag im nichtöffentlichen Teil zehn Beschlüsse zur weiteren Auftragsvergabe vor sich liegen. Die Palette reicht von Putz- und Trockenbau über Bodenbelag- und Natursteinarbeiten bis zur Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärinstallation. "Wir haben noch 14 Monate. Das ist eine sportliche Herausforderung", sagt Bürgermeister Broszinski über seine größte und wichtigste Baustelle.

 

 

Im Ostflügel mauern die Bauarbeiter eine Gewölbedecke anno 2012.

Foto: Heike Lehmann

 

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