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Sommertheater: DER ZERBROCHNE KRUG

27.06.2020 um 19:30 Uhr

theater 89 AG Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg

Sommertournee 2020

Heinrich von Kleist

DER ZERBROCHNE KRUG

Für seine Sommertournee im Jahr 2020 durch Städte mit historischen Stadtkernen im Land Branden-burg hat theater 89 ein berühmtes deutsches Lustspiel ausgewählt: DER ZERBROCHNE KRUG von Heinrich von Kleist (1777-1811). Es ist ein Glanzstück brandenburgisch-preußischen Kulturerbes und setzt die Serie von Inszenierungen über tragikomische Verquickungen von Öffentlichem und Privatem im bürgerlichen Zusammenleben fort. Kaum zu überbieten an Situationskomik und Wortwitz, ist es ein Fressen für Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen.

Kleist war der Sohn einer preußischen Offiziersfamilie aus Frankfurt an der Oder und hochbegabt, nur nicht fürs Glück. Wissensdurstig, politisch engagiert, literarisch auf Anerkennung bedacht, auf Recht und Gerechtigkeit versessen, leidenschaftlich liebend, maßlos fordernd und enttäuscht von der Unerfüllbarkeit seiner Ansprüche, trieb es ihn durch halb Europa, durch Stände und Kasten auf der Suche nach Möglichkeiten eines erfüllten Daseins. Er war Soldat, Student, Spion, Bauer, Reisender, Beamter, Dichter, Gefangener, Redakteur, Bittsteller ... Mit 36 erschoss er zuerst eine Leidensgefährtin und danach sich am Kleinen Wannsee bei Berlin – dort liegt er auch begraben.

Heinrich von Kleist ist einer der scharfsinnigsten und sprachmächtigsten deutschen Dichter zwischen Klassik und Romantik. Seine Themen sind Recht und Gerechtigkeit und der schmale Grat zu Freiheit und individueller Verantwortung.

Worum geht es? Dorfrichter Adam muss über eine Tat zu Gericht sitzen, die er selbst begangen hat. Im Mittelpunkt der um 1685 in der Gerichtsstube in Huisum, einem fiktiven niederländischen Dorf (in der Provinz Utrecht) spielenden Verhandlung steht ein zerbrochener Krug, welcher der Frau Marthe Rull gehört. Sie beschuldigt Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, am vorherigen Abend den Krug in ihrem Haus zerstört zu haben. Ruprecht hingegen versichert, dass ein Fremder ins Haus eingebrochen sei und dieses fluchtartig durch ein Fenster verlassen habe, wobei er den Krug vom Fensterbrett gestoßen habe.

Es beginnt damit, dass der Gerichtsschreiber Licht den Richter Adam morgens beim Verbinden frischer Wunden überrascht, und dieser erklärt, beim Aufstehen gestrauchelt und gegen den Ofen gefallen zu sein...

Das Stück gilt wie Sophokles’ KÖNIG ÖDIPUS als Musterbeispiel eines analytischen Dramas. Es baut auf einen bestimmten Vorfall in der Vorgeschichte des dargestellten Geschehens. Dessen Ursache wird erst im Verlauf der Handlung entdeckt und enthüllt.

In der Figur des Dorfrichters lassen sich bis ins Heute zielende Anspielungen erkennen:

Adam als Verkörperung eines korrupten Justizwesens.

Adam als Komödientyp des „lüsterner Alten", der durch sein Verhalten gegen Normen verstößt.

Adam als wegen Wollust aus dem Paradies vertriebener Sünder. Adam als sich über Recht und Gesetz hinwegsetzender Staatsdiener.

Diesem Lustspiel liegt wahrscheinlich ein historisches Factum, worüber ich jedoch keine nähere Auskunft habe auffinden können, zum Grunde. Ich nahm die Veranlassung dazu aus einem Kupferstich, den ich vor mehreren Jahren in der Schweiz sah. Man bemerkte darauf – zuerst einen Richter, der gravitätisch auf dem

Richterstuhl saß: vor ihm stand eine alte Frau, die einen zerbrochenen Krug hielt, sie schien das Unrecht, das ihm widerfahren war, zu demonstriren: Beklagter, ein junger Bauerkerl, den der Richter, als überwiesen, andonnerte, vertheidigte sich noch, aber schwach: ein Mädchen, das wahrscheinlich in dieser Sache gezeugt hatte (denn wer weiß, bei welcher Gelegenheit das Delictum geschehen war) spielte sich, in der Mitte zwischen Mutter und Bräutigam, an der Schürze; wer ein falsches Zeugniß abgelegt hätte, könnte nicht zerknirschter dastehn: und der Gerichtsschreiber sah (er hatte vielleicht kurz vorher das Mädchen angesehen) jetzt den Richter mistrauisch zur Seite an, wie Kreon, bei einer ähnlichen Gelegenheit, den Ödip, als die Frage war, wer den Lajus erschlagen? Darunter stand: der zerbrochene Krug. – Das Original war, wenn ich nicht irre, von einem niederländischen Meister.

aus: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, Bd. 1, München 1984

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist https://de.wikipedia.org/wiki/Der_zerbrochne_Krug

http://www.klassiker-der- weltliteratur.de/der_zerbrochene_krug.htm

https://gutenberg.spiegel.de/buch/der-zerbrochene-krug-590/1

 

Heinrich von Kleist

DER ZERBROCHNE KRUG

Ein Lustspiel (1811)

Personen:

Walter, Gerichtsrat Adam, Dorfrichter Licht, Schreiber Frau Marthe Rull Eve, ihre Tochter

Veit Tümpel, ein Bauer Ruprecht, sein Sohn Frau Brigitte

Ein Bedienter, Büttel, Mägde usw.

Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorf bei Utrecht

Regie: Hans-Joachim Frank

Bühne und Kostüme: Barbara Noack Musik: ...

Dramaturgie: Jörg Mihan

DER ZERBROCHNE KRUG ist der vierte Kleist von theater 89 nach DIE MARQUISE VON O. (2002), KÄTHCHEN VON HEILBRONN (2009, 2010, 2011) und KOHLHAAS (2017).

 

 

Veranstaltungsort

Stadtteil Doberlug, Schlosswiese