Hauptstädter entdecken die Doberluger Geschichte
Etwa 500 Zuhörer erlebten am Sonntagabend ein außergewöhnliches Konzert mit den King's Singers in der Klosterkirche Doberlug. Die sechs Herren aus Großbritannien haben in knapp zwei Stunden wohl jeden in der Kirche in ihren Bann gezogen – mit ihren exzellenten Stimmen und einem britischen Humor, wie er im Buche steht.
Das Konzert war das i-Tüpfelchen auf einen gelungenen Tag im Kloster- und Schlossareal, das seit Jahren umfassend saniert wird und sich zunehmend einladender zeigt. Es ist Markenzeichen der Brandenburgischen Sommerkonzerte, insbesondere Hauptstädter neben dem Musikgenuss lohnenswerte Ziele im Land näherzubringen. Lutz und Margot Lambeleb aus Berlin-Mariendorf hatten sich für die Kohlegeschichte entschieden und stiegen in den Bus, der sie nach Domsdorf zur Brikettfabrik Louise fuhr. Andere Gäste eroberten sich schnell das Gelände um Klosterkirche, Refektorium und Schloss. Informationen bekamen sie an den Stelen »Wendepunkte - der Mauerfall von Doberlug« von der Kulturlandkampagne 2009.
Bis zu den Anfängen des Klosters und der Stadtgeschichte reichten die Ausführungen von Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) und Stadtverordnetenvorsteher Lutz Kilian bei den zwei komplett ausgebuchten Schlossführungen. die 73-jährige Ursula Grundmann aus Berlin war vor Jahren schon einmal in der Stadt. »Doberlug und insbesondere das Schloss haben mich jetzt gereizt«, erklärte sie, warum sie sich für dieses Sommerkonzert entschieden hat. Und sie staunt wie Lutz Janke und Susanne Lehmann aus Berlin über die Baufortschritte. »Wir sind seit 1991 Gäste der Sommerkonzerte und verbinden sie immer mit einem mehrtägigen Ausflug inklusive Übernachtung«, erzählte Lutz Janke. 2009 hatten sie auf dem Rückweg vom Schloss Stechau in Doberlug Stopp gemacht. »In die Kirche kamen wir nicht rein, alles andere war eine große Baustelle, dennoch fanden wir es sehr interessant«, erinnerten sich die zwei. »Es ist erstaunlich, wie es in der kurzen Zeit vorangegangen ist«, so Lutz Janke.
Stärken konnten sich die Gäste am Kuchenbüfett, das rund 30 Frauen der evangelischen Kirchengemeinde Doberlug, insbesondere von der Kantorei, im Refektorium betreuten. 55 Kuchen und literweise Kaffee haben sie angeboten. Das Rahmenprogramm war eine logistische Herausforderung, bewies aber auch die Doberluger Gastfreundschaft.
Eberhard und Heidemarie Weiß, ein Apotheker-Ehepaar aus Finsterwalde, sowie Tochter Claudia freuten sich, dass sie drei der wenigen Restkarten bekommen hatten, die kurz vor Konzertbeginn noch an der Abendkasse verkauft wurden. »Es freut uns, dass das Ensemble so gründlich saniert wird«, sagte Eberhard Weiß. »Und dass die Zisterziensergeschichte wach gehalten wird«, ergänzte die Tochter, die Kunstgeschichte und Germanistik studiert.
Von Heike Lehmann
erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 27.07.2010
Ein Trost für all jene, die das Konzert mit den King's Singers in der Klosterkirche am vergangenen Sonntag nicht erleben konnten, dürfte dessen Ausstrahlung im Deutschlandfunk sein. Der Mitschnitt wird die Live-Atmosphäre authentisch vermitteln. Gesendet werden die Aufnahmen aus der Klosterkirche am Dienstag, 18. Januar 2011, um 20.15 Uhr in der Reihe »Musikforum«. Zu hören sein wird dann auch ein Interview mit Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP), Karl Trepsdorf von der Kirchengemeinde Doberlug und Onno Folkerts, dem für die Sanierung der Klosterkirche zuständigen Architekten.
Von Heike Lehmann
erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 28.07.2010