Der CDU-General und das rot-rote Tuch der Platzeck-Koalition
Die Sprüche sind markig, aber niemand schlägt sich vor lauter Wortwitz auf die Schenkel. Die Stimmung ist kämpferisch. Ein Thema dominiert den 10. Politischen Aschermittwoch der märkischen Union in Doberlug-Kirchhain: Rot-Rot in Potsdam muss weg.
Gerade ist die CDU im Landtag mit einem Antrag zur künftigen Flughafenerweiterung des BER in Richtung Sperenberg abgewatscht worden, da tönt Generalsekretär Dieter Dombrowski in der Kirchhainer Stadthalle: „Wir haben einen klaren Kurs, die besseren Köpfe, die besseren Konzepte.“ Es ist Politischer Aschermittwoch. Zwei Jahre haben die Christdemokraten gebraucht, um sich davon zu erholen, dass ihnen die SPD den Stuhl vor die Koalitionstür gestellt hat. Überwinden werden sie den Schock wohl nie, dass nun der „zunehmend dekadente Deichgraf und die Stasi-Kaiserin“ (Matthias Platzeck/SPD und Kerstin Kaiser/Linke) regieren. Nach zwei Jahren Pause lebt zumindest aber die größte Politische Aschermittwochsveranstaltung im Land wieder auf.
Von Null auf Hundert
Die hochschwangere Landeschefin Saskia Ludwig kommt vor den gut 700 Parteifreunden und Gästen schnell von Null auf Hundert. Ihr Professor von der Berliner Geburtshilfe habe ihr allerdings geraten, die Worte „Rot-Rot, Platzeck und Speer“ nicht in den Mund zu nehmen – wegen des Blutdrucks. Deshalb übergibt sie schnell an einen, auf dessen Erfahrungen „im Kampf gegen Täter der SED-Diktatur“ heute zurückgegriffen werden könne. „Herr General, Sie haben das Wort!“ übergibt sie an den CDU-Ehrenvorsitzenden Jörg Schönbohm, dessen Anwesenheit den Saal jubeln lässt. Dazu hätte es weder 1000 Liter Freibier noch die Einlagen der Karnevalisten benötigt. Der 74-Jährige ist eine Institution in der märkischen Union. Was er sagt, hat Gewicht, ohne dass jedes Wort an diesem Abend auf die Goldwaage gelegt wird.
Was dürfen die SED-Erben?
Und dennoch ist es Schönbohm – der im Vergleich zu Ludwigs Frontalangriffen Altersmilde im Umgang mit dem politischen Gegner ankündigt – bierernst mit dem, was er sagt. Er nimmt sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und dessen Buch „Zukunft braucht Herkunft“ („das man nicht lesen muss“) vor, und stellt die Frage: „Dürfen Erben eines Unrechtsstaates überhaupt das Erbe antreten?“ Indem Schönbohm den Linken – Erben von SED und PDS – „die moralische Legitimation“ abspricht zu regieren, gibt er schon im nächsten Satz die Antwort. Unter dem Beifall der Zuhörer schreibt er seinen Christdemokraten ins Stammbuch, dass es ihre Aufgabe sein müsse, „nach fünf Jahren Rot-Rot zu beenden und damit den letzten roten Flecken in Deutschland wegzuwischen“.
Wie nicht anders zu erwarten, demonstriert die Lichtgestalt der märkischen CDU dann noch den erwarteten Schulterschluss mit der Landeschefin. Er verteidigt ihren Kurs, auch und gerade weil die „SPD und ihr Bullterrier Klaus Ness“ mit der Ludwig-CDU künftige Koalitionen ausschließen. „Wir haben unsere Geschlossenheit wiedergefunden und besitzen eine klasse Landtagsfraktion“, lobt er Ludwig, ohne sie zu nennen. Und an ihrem umstrittenen Beitrag für das Neue-Rechte-Blatt
„Junge Freiheit“ könne er gar nichts finden. Dass Ludwig die FDP für tot erklärt hat, und Liberale wie Grüne danach die Zusammenarbeit in der Opposition aufgekündigt haben, wischt der Ehrenvorsitzende beiseite. „Wenn die FDP in der Wählergunst verliert, ist das nicht Frau Ludwigs Schuld.“
Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP), der am Gästetisch sitzt, lassen diese Seitenhiebe kalt. Er hat in seinem Grußwort schon alles zum Thema gesagt: „Totgesagte leben länger.“
Von Null auf Hundert
Die hochschwangere Landeschefin Saskia Ludwig kommt vor den gut 700 Parteifreunden und Gästen schnell von Null auf Hundert. Ihr Professor von der Berliner Geburtshilfe habe ihr allerdings geraten, die Worte „Rot-Rot, Platzeck und Speer“ nicht in den Mund zu nehmen – wegen des Blutdrucks. Deshalb übergibt sie schnell an einen, auf dessen Erfahrungen „im Kampf gegen Täter der SED-Diktatur“ heute zurückgegriffen werden könne. „Herr General, Sie haben das Wort!“ übergibt sie an den CDU-Ehrenvorsitzenden Jörg Schönbohm, dessen Anwesenheit den Saal jubeln lässt. Dazu hätte es weder 1000 Liter Freibier noch die Einlagen der Karnevalisten benötigt. Der 74-Jährige ist eine Institution in der märkischen Union. Was er sagt, hat Gewicht, ohne dass jedes Wort an diesem Abend auf die Goldwaage gelegt wird.
Was dürfen die SED-Erben?
Und dennoch ist es Schönbohm – der im Vergleich zu Ludwigs Frontalangriffen Altersmilde im Umgang mit dem politischen Gegner ankündigt – bierernst mit dem, was er sagt. Er nimmt sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und dessen Buch „Zukunft braucht Herkunft“ („das man nicht lesen muss“) vor, und stellt die Frage: „Dürfen Erben eines Unrechtsstaates überhaupt das Erbe antreten?“ Indem Schönbohm den Linken – Erben von SED und PDS – „die moralische Legitimation“ abspricht zu regieren, gibt er schon im nächsten Satz die Antwort. Unter dem Beifall der Zuhörer schreibt er seinen Christdemokraten ins Stammbuch, dass es ihre Aufgabe sein müsse, „nach fünf Jahren Rot-Rot zu beenden und damit den letzten roten Flecken in Deutschland wegzuwischen“.
Wie nicht anders zu erwarten, demonstriert die Lichtgestalt der märkischen CDU dann noch den erwarteten Schulterschluss mit der Landeschefin. Er verteidigt ihren Kurs, auch und gerade weil die „SPD und ihr Bullterrier Klaus Ness“ mit der Ludwig-CDU künftige Koalitionen ausschließen. „Wir haben unsere Geschlossenheit wiedergefunden und besitzen eine klasse Landtagsfraktion“, lobt er Ludwig, ohne sie zu nennen. Und an ihrem umstrittenen Beitrag für das Neue-Rechte-Blatt
„Junge Freiheit“ könne er gar nichts finden. Dass Ludwig die FDP für tot erklärt hat, und Liberale wie Grüne danach die Zusammenarbeit in der Opposition aufgekündigt haben, wischt der Ehrenvorsitzende beiseite. „Wenn die FDP in der Wählergunst verliert, ist das nicht Frau Ludwigs Schuld.“
Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP), der am Gästetisch sitzt, lassen diese Seitenhiebe kalt. Er hat in seinem Grußwort schon alles zum Thema gesagt: „Totgesagte leben länger.“
Von Christian Taubert, erschienen in der Lausitzer Rundschau am 24.02.2012
Foto: H. Lehmann / Prosit: Zeremonienmeister Torsten Hannemann mit CDU-Landeschefin Saskia Ludwig und dem Ehrenvorsitzenden Jörg Schönbohm.