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Junger Turmfalke in Doberlug gerettet

Junger Turmfalke in Doberlug gerettet (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Junger Turmfalke in Doberlug gerettet

Greifvogel von einer Kolonie Dohlen bedroht / Tierschützerin fängt Vogel ein

Als Marita Zoeke an einem Juni-Sonnabend eine ihrer Führungen durch die Doberluger Klosterkirche beginnen will, traut sie ihren Augen nicht. Auf dem Stein vor der Kirche sitzt ängstlich ein kleiner Turmfalke – umgeben von einem großen drohenden Schwarm Dohlen. Die Tierschützerin erkennt: Der Turmfalke ist in Lebensgefahr – und startet eine Rettungsaktion.

Marita Zoeke fällt auf die Schnelle nichts Besseres ein: Sie ruft sofort ihre Bekannte Birgit Zimmermann an, von der sie weiß, dass sie einen Katzenkäfig hat. Als die Frau kommt und auf den kleinen Vogel einredet, lässt er sich tatsächlich einfangen und hüpft wie Hilfe suchend in den Käfig. Das junge Tier hatte die Nistnische oben an der Klosterkirche verlassen. "Der Turmfalke wird zwar weiter von den Elterntieren gefüttert. Aber auf der anderen Seite nistet eine Kolonie Dohlen, die ihr Revier verteidigen, was dem Turmfalken hätte zum Verhängnis werden können", schätzt Falko Göbert, Leiter der Greifvogelstation in Oppelhain ein. Er ist von den beiden Frauen sofort gerufen und über den Findling informiert worden.

Mehr als zwei Monate hat der Turmfalke in der Auffangstation für insbesondere kranke und verletzte Greifvögel zugebracht, wo er in einer Voliere aufgepäppelt und auf die Freiheit vorbereitet worden ist. "Zuletzt hat er lebende Mäuse als Futter bekommen, um den Jagdtrieb zu entwickeln, damit er in der freien Natur überlebt", erklärt Falko Göbert. Um die 100 Tiere aus ganz Südbrandenburg und Nordsachsen, von Mäusebussard, Roter Milan, Kauz, Sperber, bis See- und Fischadler, landen jährlich in der Försterei Oppelhainer Pechhütte. "Die Tiere sind meist von Autos angefahren worden oder sie wurden von Zügen verletzt, wenn sie Wild auf den Gleisen fressen", berichtet der Vogelexperte. Demnächst erwartet Falko Göbert drei große Uhus, die im Tierpark Aue nicht mehr gehalten werden dürfen. "Wir wollen sie als Dauergäste bei uns aufnehmen. Dazu muss eine spezielle Voliere gebaut werden. Schön wär's, wir würden Paten für die Tiere finden, die sich finanziell am Futter beteiligen."

Der kleine Turmfalke aus Doberlug ist dieser Tage an seinen Geburtsort zurückgekehrt. Er ist zusammen mit drei weiteren Turmfalken zwischen Klosterkirche und Schloss freigelassen worden. Interessiert gucken viele Kinderaugen zu – die Stepkes von der Kirchhainer Kita Krümelkiste dürfen den Findling, den Falko Göbert in seiner Hand hält, aus nächster Nähe bestaunen und die Kisten mit den anderen Vögeln öffnen. "Erkundungen in der Natur, insbesondere in unserem schönen Buchenwald, gehören für unsere Kinder zum Alltag. Auch die Greifvogelstation besuchen wir regelmäßig", sagt Erzieherin Birgit Tietz.

Auch Sabine Delloch, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Doberlug-Kirchhain, hat sich die Freilassung und damit erfolgreiche Rettungsaktion des Turmfalken nicht entgehen lassen. "Zeigt diese Aktion doch: Unsere Vereinsmitglieder, wie jetzt Marita Zoeke, kümmern sich, was manche behaupten, nicht nur um Katzen."

 

Von Dieter Babbe, erschienen in der Lausitzer Rundschau am 05.09.2012

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