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Der letzte Koloss rollt aus der Stadt

15. 06. 2012

HIL Werk Doberlug-Kirchhain hat mehr als 300 Schützenpanzer Marder instand gesetzt

Seit das ehemalige Systeminstandsetzungszentrum der Bundeswehr 2005 als Werk in die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) integriert wurde, haben mehr als 300 Schützenpanzer Marder die Werkstätten in Doberlug-Kirchhain durchlaufen. Seit der erste Marder 1996 dort repariert wurde, sind es etwa dreimal so viele. In dieser Woche verlässt der letzte gepanzerte Koloss die Stadt. Volle Auftragsbücher hat das Werk dennoch.

"Der Schützenpanzer Marder war ein wesentliches Standbein für unser Werk", sagt Produktionsleiter Frank Roßa. In den ersten Jahren wurden bis zu 70 Stück im Jahr in Doberlug-Kirchhain instand gesetzt. "Etwa 20 Mitarbeiter hatten an 90 Arbeitstagen zu tun, um einen Marder wieder einsatzbereit zu machen", sagt Dietmar Gensicke, Abteilungsleiter Systemfahrzeuge. Dabei arbeiteten sie immer zur vollen Zufriedenheit der Bundeswehr. "Es gab nie offizielle Beanstandungen", konstatiert Roßa. Das spricht für die Leistungsfähigkeit des Werkes und seiner Mitarbeiter.

"Der Schützenpanzer Marder hat als schweres Waffensystem zur Landesverteidigung nicht mehr die Bedeutung. Die Bestände werden seit Jahren reduziert", erklärt Roßa die Umstellung. Auch in Doberlug-Kirchhain wurden im Jahr 2011 zusätzlich mehr als 30 Marder fachgerecht zur Ersatzteilgewinnung zerlegt.

Der letzte 35-Tonner steht in frischem Tarngrün in der Annahme- und Versandhalle. Er ist ein Fahrschulpanzer ohne Bewaffnung und wird in dieser Woche nach Munster (Niedersachsen) rollen. Wesentlich kleinere und leichtere Fahrzeuge dominieren dann die Produktpalette an der Schönborner Straße. Der Mannschaftstransportwagen M 113 wird mit seinen zehn Tonnen als größtes Fahrzeug im Programm bleiben. Aber weder der Marder – immerhin ausgestattet mit einem 600-PS-Motor – noch die kleineren Kettenfahrzeuge Wiesel und Husky werden künftig noch durch Doberlug-Kirchhain donnern, um die Probestrecke in der ehemaligen Lausitzkaserne zu nutzen. Die aktuellen Umbauarbeiten im Betriebsteil I an der Schönborner Straße entlasten die Einwohner von dieser Lärmbelästigung. Eine Nachricht, die Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) gern aufnimmt. Für das Werk eher eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Die "Stadtfahrten" haben viele Tonnen Diesel "geschluckt".

Beruhigend für das Stadtoberhaupt ist aber auch, dass das HIL Werk weiterhin ein stabiler und sicherer Arbeitgeber bleiben wird. "Das Werk hat sich rechtzeitig auf kleinere und modernere Rad- und Kettenfahrzeuge umgestellt", versichert Roßa. "Der Wegfall des Marders bedeutet für uns keinerlei Reduzierung an Aufträgen oder Personal." Auch künftig werden in Doberlug-Kirchhain etwa 250 Rad- und Kettenfahrzeuge jährlich instand gesetzt. Die Vertragslaufzeit der HIL GmbH mit der Bundeswehr endet 2013. Doch es gibt sichere Signale, dass die Zusammenarbeit auf jeden Fall auch darüber hin aus fortgesetzt wird.

 

Von Heike Lehmann, erschienen in der Lausitzer Rundschau am 15.06.2012
 

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